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Nein, diese Mütze brauche ich heute nicht – der Neujahrswetterpreview in der Einfahrt vor unserer Garage spricht da eine deutliche Sprache. Mittelniedriger Hochnebel der üblichen Hallertauer Art in Verbindung mit der scheinbaren Nichtexistenz von Wind. Und 2 Grad plus. Das hält die Schädeldecke sicherlich aus und somit steht dem ersten Lauf im neuen Jahr nichts mehr entgegen.

Die mittägliche Müdigkeit der heimischen Siedlung ist zweifelsfrei der gestrigen Silvesterfestivitäten geschuldet und deshalb habe ich den ersten halben Kilometer ortsauswärts auch ganz für mich alleine. Und danach bin ich eh allein auf weiter Flur, denn wer bitte schön rennt denn freiwillig durch den sandigen Matsch und zudem noch bergauf wenn es hier doch so schöne tipptopp asphaltierte Flurbereinigungswege gibt?

Ich. Und mit jedem Schritt in Richtung Hopfenhügel öffnet sich die Lunge und der Atem spült den letzten Rest des vergangenen Jahres raus. Man(n) muss nun wahrlich kein Prophet sein, um zu erkennen, dass dies ein ganz besonderer Lauf von absurd wirkender Unspektakulärität werden wird.

Fröhlich schlurfend wieder den Hügel runter und dann ab durchs Nachbardorf zum Fluss. Über die Brücke und dann links, der Klassiker aus so vielen Feierabendläufen – links die wahrscheinlich schon seit Urzeiten mäandernde Abens, rechts die dazu passenden Sumpfwiesen inklusiv der gar nicht mal so unbedeutenden Wiesenbrütergebiete. Der Hochnebel gibt nicht viel preis von all der Landschaft, aber ganz zweifelsfrei ist genau das heute der Faktor, der hier irgendwo die Genialität ausmacht.

Neukirchen und die Bundesstraße passierend geht es rüber zum großen Forst. Die leichte Steigung am Waldrand ist schon immer hier mein absoluter Lieblingspfad, zwischen Hopfengattern und Laubwald hindurch, dazu zwei kurze Waldabschnitte, es ist manchmal so einfach, eine gute Laufstrecke zu finden.

St. Johann, rechts in den Wald und nach 500 Metern wieder rechts – da wartet die Waldschneise. Matsch, Dreck, Waldboden, Hochnebel, keine Menschenseele. Und Garmin verliert in guter Tradition den Empfang. Ist das hier nicht das wirkliche Laufen? Schritt für Schritt, in absoluter Waldruhe? Auf krummen, völlig bestzeitenuntauglichen Pfaden? Es ist Luxus. Purer Luxus.

Viel zu früh spuckt mich der Forst wieder aus, aber nach den gesundheitlichen Unschärfen der letzten Wochen ist dies hier mein erster richtiger Lauf und da gilt es a bissi risikominimiert zu agieren um nicht den Rest der Wegstrecke im demütigen Wanderschritt absolvieren zu müssen.

Zurück durch Neukirchen, dies dann verlassend auf der Landstraße, nach einigen Metern noch mal bergauf rein in den Matsch und danach auf dem im Sommer von zahlreichen Touristen und Einheimischen bevölkerten Radweg ab nach Hause. Erfrischend begleitet vom eisigen Wind, den ich bisher so zuverlässig im Rücken hatte. Frostbeulen sind allerdings nicht zu vermelden. Und dat Buff hält den Hals warm.

Vielleicht einer meiner unspektakulärsten Posts ever hier in diesem Blog. Und vielleicht einer meiner besten Läufe. Willkommen 2016!

Ich wünsche allen Mitlesern ein fröhliches gutes neues Jahr! Möge es Euch viele spannende, erfrischende und sauerstoffreiche (Lauf-)Kilometer bieten. Und allen Verletzten: Gute und schnelle Besserung!

Und nun werde ich mich mit einem Glas irischer Hopfenkaltschale zu all Euren Blogs aufmachen, die ich immer wieder gerne lese…

 

 

Die Karawane kommt von links. Vermummte Gestalten in exorbitanter Anzahl schleifen Rollkoffer und Bollerwagen mit ebenso vermummten Kindern hinter sich her. Im satten 90-Grad-Winkel kreuze ich fröhlich pfeiffend in kurzer Laufhose und grellgelben Nimbustretern ihren Weg und ernte zweifelsfrei den einen oder anderen völlig erstaunten Blick. Klassischer Praxisschock, gelle?

Aber keine Sorge, liebe Passagiere der soeben angekommenen Fähre vom Festland – wir werden uns wiedersehen. Diese Insel ist nämlich klein. Sehr klein.

Laufstrecken auf Spiekeroog beinhalten eigentlich immer irgendwie das Sturmeck ganz im Westen. Denn nur so kommt man ohne doppelt und dreifaches Passieren der ortsnahen Wege auf eine zweistellige Kilometerzahl. Also raus aus dem Ort.

Sonne von oben, Lichtschutzfaktor 50 plus (wahrscheinlich die Altersangabe für die Zielgruppe) auf den Schädel, Wind von vorn. Richtiger Wind. Das macht wirklich Laune, denn in Nullkommanix ist die Rübe frei gepustet. Wirklich nennenswerter Gegenverkehr ist auch nicht zu erwarten, die Insel ist autofrei. Und nicht einmal Fahrräder kann man sich ausleihen, nur die Einheimischen bewegen sich auf diese völlig beschleunigte Art fort.

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Spiekeroog. Perfekter Strand. Die Frisur hält.

Flankiert von der nahezu weltberühmten Pferdemuseumseisenbahn und vorbei an dem einen oder anderen Ferienheim geht es im Windkanal bis Kilometer 3, dort direkt an den Strand, einmal extrem tief durchatmen und wieder zurück. Mit ordentlichem Rückenwind und rudimentär transpirierend sprintet der schon seit einer gefühlten Ewigkeit auf der Insel verweilende Urlauber nun wieder den Neuankömmlingen entgegen – die sich damit erneut einer Konfrontation mit meinen nur leicht kältebedingt verfärbten Oberschenkeln ausgesetzt sehen.

Zurück im Ort erst zackig (nicht zickig) eine kurze Schleife durch den putzigen (nicht patzigen) Kurpark (die Anzahl der dort aufgescheuchten Senioren indes hält sich selbstredend in Grenzen) und anschließend – nach unauffälligem Passieren der örtlichen Polizeifiliale – auf einem (genehmigten) Trampelpfad durch ein Wäldchen rauf zum Hauptweg in Richtung Strand.

Und auch hier überholt man zweifelsfrei wieder Fährpassagiere, vorzugsweise entweder Tagestouristinnen mit Designerhandtasche in der Armbeuge oder die Generation 70 plus auf dem Weg zum wohl verdienten Mittagskaffee im Strandcafe hoch oben auf der Düne.

Derartige Verpflegungsstellen braucht man als quasi stoffwechseloptimierter Läufer natürlich nicht. Der tagelang begeistert konsumierte inseltypische Ernährungsmix aus Matjesbrötchen, Zitroneneis, giftgrüner Fassbrause und selbst gekochtem Filterkaffee bietet ausreichend Energie für die nächsten Kilometer – und die sind einfach nur großartig – wie übrigens die gesamte Insel. Und selbstverständlich ordentlich Zwiebeln zu dem Matjes, das bereichert eventuelles Aufstoßen auf der Laufstrecke ungemein.

Runter zum Strand, unten auf einem Holzplankenweg voll gegen den Wind und dann wieder hoch auf den Panoramaweg, weiter durch die Dünen und über die Sperrtorbrücke der schon erwähnten Eisenbahn auf dem Hochwasserdamm zum Hafen, ein weiteres Mal (diesmal in Süd-Nord-Richtung) durch den Ort, am Schwimmbad vorbei und über einen Aussichtspunkt hinweg völlig begeistert durch die östlichen Dünen.

Letzte Ausfahrt: Inselinternat. Das ist der östlichste Punkt der heutigen Laufrunde und wahrscheinlich auch aller anderen, denn danach kommt nur noch unberührte und geschützte Natur. Vereinzelt gelangweilte Jugendliche im Kapuzenpulli nebst obligatorischem Smartphone kreuzen meinen Laufweg und auch die eine oder andere Schülergruppe auf Tagesausflug samt Aufsichtsperson wagt den Weg in Richtung Osten. Dies ist im Übrigen auch der einzige Streckenabschnitt, auf dem ich während der gesamten Inselwoche andere Läufer gesehen habe. Insgesamt exakt drei. Ja genau. Drei.

Fazit: Fantastisch. Unbedingt mal hinfahren. Übrigens, die Menschenmengen von der Fähre verteilen sich dann unglaublich schnell und werden nach diesem Lauf nicht mehr gesehen😉

Zum Nachlaufen: 15 Km ab 26466 Spiekeroog

Und die eventuell eingeblendete Werbung hier bitte wie immer fröhlich ignorieren. Ihr kennt das.

 

 

 

 

 

„Nur ganz vereinzelt Nebel. Sonst sonnig und trocken.“

 

Yo. Da hat sie Recht, die Moderatorin des Wetterberichts, zweifelsfrei. Ganz vereinzelt. Nämlich genau hier vor unserer Haustür. Und während der Rest der Republik bei Sonnenschein mit ausreichend Sichtweite zum karnevalistisch begründeten Rumwerfen von Süsskram rechnen kann, wird der Faschingsumzug im Nachbarort morgen wahrscheinlich wieder einmal im mittelbayerischen Hochnebel rumwabern. Dieser „Umzug“ besteht übrigens seit Jahren aus einem einzigen(!) Traktor samt offenem Anhänger, auf dem sich die Landjugend unter Zuhilfenahme erheblicher Mengen an Alkohol warm hält.

 

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Högetsing. Herrliche Aussicht auf Rohr (in Niederbayern). Also zumindest rein theoretisch…

 

Woher ich das so genau weiss? Die Jungs und Mädels kreuzen jedes Jahr meine Sonntagslaufstrecke. Was nicht allzu schwer ist, da sie gröhlend so ziemlich jede Straße im Umkreis von zehn Kilometern abfahren. Natürlich nicht, ohne den dahinschlurfenden mittelalten Mützenmann ordentlich zu grüßen. Um dann sogleich die Musik noch lauter zu drehen.

 

Also morgen Hochnebel. Heute auch. Gestern sowieso – und vorgestern war es natürlich auch den ganzen Tag grau. Also ein klares Einsatzszenario für ein rundum sonniges Gemüt. Zeit für die wirklich wichtigen Aufgaben im Leben. Zum Beispiel das ureigene Kraftfahrzeug aus der Werkstatt zurück zu holen. Jahresinspektion und so, der Klassiker. In unserem Fall ist die Werkstatt des uneingeschränkten Vertrauens so ungefähr sieben Dörfer entfernt, was angesichts von etwa 13 Kilometern Entfernung gleich die Möglichkeit bietet, sich laufenderweise a bissi sportlich zu betätigen. Also Donnerstagabend die Karre hin gebracht und zurück gelaufen. Und am Freitag die Strecke retour.

 

Die Leichtigkeit des Loslaufens mit einer von erheblicher Restmüdigkeit belasteten Muskulatur brauche ich nicht weiter zu beschreiben, oder? Zum Glück lässt das Rumgeiere dann spätestens am Ortsende etwas nach, was auch angesichts des ersten Hügels (dem legendären Kipfelsberg) durchaus in der Sache angebracht ist. Und dann läuft man Kilometer für Kilometer durch eine durchaus stimmige Spätwinterlandschaft, flankiert von einem eisigen Nordostwind, der fröhlich pfeiffend unter dem Hochnebel und durch die Handschuhe weht.

 

Vorbei an zumindest partiell verfallenen Bauernhöfen, topmodernen Biomasseblockheizkraftwerken sowie frei laufenden Enten, Hühnern (und vereinzelten deutschen Schäferhunden) geht die Reise über Felder, Hügel und durch Orte wie „Jauchshofen“ an den östlichen Rand der Hallertau. Und irgendwie ist alles wie jedes Jahr zu dieser Jahreszeit. Diese Läufe, mögen sie noch so zäh und kalt sein, sind so ziemlich das Beste, was das Läuferleben für mich bietet. Winterstille und Muskelziehen im Gleichklang. Ihr kennt das ja.

 

Und mal sehen, ob die Faschingsbande mich morgen mit Helene Fischer zudröhnt😉

 

Ach ja, falls hier Werbung eingeblendet wird: Wie immer fröhlich ignorieren, gell?

 

 

 

Geht ja schon gut los – das neue Jahr. Kaum ein paar Tage alt und bereits der erste Etikettenschwindel hier in diesem Blog. Natürlich kann das hier gar kein Bericht über einen echten Dreikönigslauf sein. Denn dieser Feiertag ist ja erst morgen. Aber aufgrund wichtiger Terminlichkeiten fand dieser Lauf mit meinem alten Laufkumpel Maddin schon heute statt.

Man werfe also einfach zwei mittelalte Laufurgesteine in ein handelsübliches Kraftfahrzeug, fahre ein paar Kilometer raus in die Pampa und starte dann von dort aus auf eine spannende Laufrunde. Dieses Jahr ging es nach Haunsbach – und bereits kurz nach Erreichen des Ortes wurde die Karre ordentlich am Straßenrand deponiert. Raus aus dem Auto, noch mal kurz zurück um die Handschuhe zu holen und dann ab auf die Piste. Hoch zum Ortsausgang und dann nach links…

Haunsbach. Hallertau. Zielfoto

Haunsbach. Hallertau. Zielfoto.

… den ersten Berg hoch. Da wird es doch gleich Zeit für eine ausführliche Grundsatzdefinition (und wer hier schon länger mitliest, kennt sie bereits):

Die Hallertau besteht aus vielen, vielen Hügeln. Und alle, die fröhlich in den Beinen und / oder den Bronchien und / oder den Herzkranzgefäßen ziehen, werden ergänzend als Berge bezeichnet. Nachdem Moister Maddin, eine ausgewiesene Bergziege, heute für die Streckenplanung verantwortlich zeichnete, war mir auch schon klar, dass das a bissi krasser ausfallen könnte. Wobei wir auch schon deutlich ruhiger geworden sind, vor sieben Jahren beispielsweise war dieser Feiertagslauf noch doppelt so lang.

Egal. Warmlaufen am Berg und den eisigen Westwind von vorn. Genau. Das Lachen gefriert für ein paar Sekunden, dann wird die Mütze in die Stirn gezogen und schon geht es los – das fröhlich heitere Läufergeschwafel, das nur diese Sportart mit sich bringt, Ihr kennt das ja. Oben angekommen kurz Luft holen und gleich wieder runter. Unten an der Kreuzung dann rechts und sofort wieder den Haselbucher Anstieg hoch. Panoramablick bis rüber nach Gasseltshausen. Durchatmen. Großartig. Keine zwei Kilometer und die alten Knochen sind warm. Trotz Gegenwind.

Unter der Autobahn durch nach Berghausen, dem Alp d’Huez unserer langen Läufe in unzähligen Marathonvorbereitungen. Drei Orte, nämlich Haunsbach, Haselbuch und eben Berghausen und ansonsten nur Wald. Kilometerweit nur Wald. Mit den unvermeidlichen Laufgeschichten natürlich.

Heute indes entfällt der Wald. Zugeschneit, angetaut, dann angefroren und wieder zermatscht, wahrlich nix für uns. Trailfreie Zone, stattdessen blanker Asphalt auf ruhigen Nebenstraßen. Training wie vor 30 Jahren gewissermaßen. Als Trail noch Crosslauf hieß und nur als Wettkampf mit Maximalpuls existent war.

Stattdessen weiter in Richtung Westen. Gegen den Wind und den nächsten Anstieg rauf. Rechts unten der Einödhof Gerblhäuser, dort sind wir seinerzeit „aus dem Schlamm gekrochen“ als wir uns tatsächlich mal im großen Forst verlaufen hatten. Um dann in der Dämmerung wieder in selbigen zurück zu laufen, da das Auto am entgegen gesetzten Ende des Dürnbucher Forstes stand. Und dieser Forst ist wahrlich verdammt groß.

Aiglsbach als nächster Ort ist städtebaulich nicht wirklich spannend, aber der Wind lässt nach – und alleine das ist schon von erheblichem Vorteil. Abdrehen in Richtung Süden, ab nach Pöbenhausen. Leicht ansteigend, Sonne von der Seite, Wind von hinten, Dauerquatschtempo, herrlich. Das Gerede verstummt ratzfatz nach der Kurve, stattdessen geht’s zum vierten Mal so richtig hoch. Nicht wirklich ein Problem. Nur ansatzweise röchelnd hoch auf die Kuppe, dort dann ein sensationeller Rundumblick auf Pöbenhausen im Tal. Und sofort wieder runter. Links ein kreisender Bussard, rechts der leuchtende Altschnee. Besser geht’s kaum noch.

Doch. Unten im Ort wieder links, und somit in Richtung Osten. Wieder hoch zur Autobahn. Kurvend durch den Winterwald und mit der so häufig aufkommenden Premiumlaune auf der zweiten Hälfte der Strecke. Zweifelsfrei eine gute Idee, heute ein paar Überstunden abzufeiern. Oben angekommen dann wieder links und rüber nach Gasseltshausen. Weltbekannt durch die recht eigenwillige Kirche im Ortskern. Und der nicht ganz unkritischen Autobahnkurve, in der auch immer so schöne Fotos geschossen werden. Wer übrigens mal sehen will, wie es da im Sommer ausschaut, dem sei Uli’s Blog empfohlen.

Die restlichen Kilometer sind dann einfach nur noch ein Genuss. Tendenziell eher bergab und auch trotz aufkommender Müdigkeit nicht wirklich grenzwertig. Nur zum Schluss geht es dann echt noch mal ordentlich hoch, nämlich in Haunsbach selbst. Wir haben das Auto echt einfach zu weit oben im Ort geparkt. Anfängerfehler🙂

Zum Nachlaufen: 15 Km ab 84094 Haunsbach

Zum Nachlesen: Hallertauer Heimatkunde bei Uli

Zum Nachlesen: Dreikönigslauf vor 7 Jahren

Und falls hier Werbung eingeblendet wird: Ich will das doch nicht🙂

Uhahaha. Die erste Linkskurve nach dem Parkplatz am Dantebad ist ja bekanntlich eh immer ein Drama. Aber heute sind die Beine schon extrem betonhaltig. Und auch der Rest der rudimentär von erheblicher Büromüdigkeit durchzogenen Knochen wirkt außerordentlich träge. Ist aber so etwas von egal. Schließlich ist Freitagabend, kurz vor 19 Uhr – und somit Wochenende.

Der Münchner an sich ist ja ein begeisterter Grantler. Und insbesondere über das Wetter kann sich die einheimische Bevölkerung herrlich aufregen. Der letzte Sonntag zum Beispiel war von altbayerischem Landregen geprägt, d.h. es regnete den gesamten Tag senkrecht. Also Dauerregen ohne jeglichen Wind. Für mich als Kind des Ruhrgebiets auch im 20+x-ten Jahr hier im wilden Süden übrigens immer noch ein durchaus interessantes Wetterszenario.

Es gab folgerichtig am Montag im Büro nur ein einziges Thema. Dieses völlig bescheidene Wetter. Dieser miese Sommer. Und überhaupt, früher hat es nie soviel geregnet. Die armen Schulkinder, die hier ja noch Ferien haben. Und auf der Zugspitze soll es ja schon schneien. Und überhaupt und so. Und wenn ich dann erzähle, dass ich bei so einem Wetter fröhlich pfeiffend 15 Kilometer durch den menschenleeren Forst laufe …

Ab in den Olympiapark. Der Lauf am Mittwoch draussen im Outback – eine Stunde entlang der Donau – hat in der Tat a bissi Spuren hinterlassen. Ischias und Oberschenkel rechts, ein Klassiker bei mir. Gerne auch im Winter bei Kälte. Oder im Sommer bei nicht vorhandener Kälte, die Logik erschließt sich mir noch nicht so ganz. Trotzdem wird das heute betont langsam, damit die alten Gräten nicht ernsthaft aufmucken.

Ich hab diese Woche (wie meistens mit erheblicher Verspätung) einen höchst interessanten und lesenswerten Artikel bei runningcherry gelesen. Thema sinngemäß: Das enttäuschende Laufen in München, weil Großstadt. Ich kann – weil wohnhaft im Weit-wech-Outback namens Hallertau – die beiden Laufwelten herrlich miteinander vergleichen und tue dies heute auch ganz bewusst. Donaukies versus Olympiaparkasphalt.

Mittwoch: Akute Ischiasgefahr an der Donau.

Mittwoch: Akute Ischiasgefahr an der Donau

Das Kopfsteinpflaster an der Bundeswehrverwaltung bremst mich gleich zu Beginn noch weiter runter. Und auch die erfolgreiche Teilumrundung der Bezirkssportanlage mit der Lockerheit einer rumänischen Bahnschranke erfrischt noch nicht wirklich. Den selbstdefinierten Astralkörper wacker über die Fußgängerbrücke ins Ackermannbogenviertel wuchten und dann möglichst verhaltensunfällig durch die Siedlung zuckeln. Ein Blick in eine Fensterfront und schon finde ich mich fett. Kiddies mit Zigaretten vermindern kurzzeitig meine Sauerstoffaufnahmefähigkeit. Und jetzt bloß nicht auf den Garmin gucken und diese unterirdische Pace bemerken. Ach Quatsch! Laufen macht einfach Spaß.

Zurück in den Park und vorbei an den Schrebergärten, dann die einzig wahre Wendeplatte (ein Olympiabergziegeninsider der Extraklasse) passierend, erreiche ich – mittlerweile fröhlich grinsend – in der Dämmerung das altehrwürdige Eisstadion. Immerhin steht da heute keine Bratwurstbude, deren Duft mich im Winter schon desöfteren in einen mittelprächtigen Unterzucker verfallen ließ. Slalomlaufend über die Brücke zur BMW-Welt und mit einem Panoramablick auf das ehemalige Olympiadorf geht es weiter, nicht wirklich schneller – aber das ist heute auch völlig egal. Ich mag diesen Park, ich laufe hier gerne und finde dieses Gelände irgendwie stylisch. Wenn auch das Publikum zum großen Teil aus angestrengt verkniffenen Sport-Posern und chinesischen Touristen im Fotorausch besteht.

Wieder zurück im Südteil des Geländes freue ich mich (zugegebenermaßen etwas voreilig) auf die dort nicht mehr existierende Kirmes – um dann zu bemerken, dass stattdessen gerade die Aufbauarbeiten für ein Musikfestival stattfinden. Ob nun die aus den Lautsprechern wabernde Schlagermusik oder doch das – gut gemeinte, aber dennoch völlig zerkochte – vegane(!) Kantinengemüsecurry eine kurzzeitige Rektalverstimmung meinerseits begründet, kann bis zum Ende des Laufes nicht wirklich fallabschließend geklärt werden – aber Lauftraining ist ja bekanntlich auch nicht immer ein lockerer Kindergeburtstag.

Was kommt jetzt noch alles? Steht Helene Fischer hinter der nächsten Kurve – oder rollt gar ein bekanntes hessisches Volksmusikduo vom nahen Olympiaberg auf mich zu? Hochkonzentriert blicke ich auf meine nahezu neuen japanischen Lauftreter „made in China“, selbstverständlich topmodisch in der holländischen Auslandstrikotfarbe.

Alles Blödsinn natürlich. Nach der Kurve wird es einfach nur flacher und so beschließe ich, noch einen Schlenker in Richtung Süden zu laufen. Sportliche 180-Grad-Drehung an der Ackermannstraße und wieder retour, vorbildlich sehnenschonend auf breitem Flüsterasphalt. Völlig locker und überhaupt nicht atemlos (muhaha) erreiche ich wieder den Westrand des Geländes, um dann den zehnten und letzten Kilometer noch auf einem Pfad zu absolvieren, den mir seinerzeit der in der heimischen Laufszene höchst bekannte Herr H.H. aus M. gezeigt hat – ein visuelles Kontrastmittel gewissermaßen.

Man renne also am Ostrand der Borstei für zweihundert Meter partiell atemlos (gottogottogott) am Mittleren Ring entlang um danach nahezu tiefenentspannt durch einen Kastanienpark wandeln zu dürfen. Oder zu stolpern, denn in der Dunkelheit ist es dort zappenduster. Ein höchst erfrischender Abschluss dieses Feierabendlaufes, der mit der roten Fußgängerampel an der Dachauer Straße sogar noch eine kostenlose Regenerationspause bietet. Und beim Blick in die grauen Gesichter, die da aus der Tram aussteigen, weiß ich wieder ganz genau, warum ich laufe. Zur Not sogar in München😉

Fazit (völlig überraschend, gell?): Unentschieden

Der Link zum Nachlaufen

Der Link zum Nachlesen bei runningcherry

Und falls hier Werbung eingeblendet wird: Ich will das nicht😉

Schaumschläger

Sonntag um halb acht. Das ist doch wieder nur ein Trick. Regenpause. An diesem Wochenende. Mitten in Bayern. Geht doch gar nicht.

Ich nutze trotzdem die Gelegenheit. Rein ins Auto und ab zum Forst. Die Laufwege dorthin sind aufgrund des Hochwassers unten im Tal sowieso gesperrt und außerdem ist mir heute irgendwie nach einem Waldlauf. Parkplatz erreicht, nicht groß nachdenken, einfach aussteigen und los. Kein Regen. Echt nicht. Also gut.

„Ich hoffe, es bleibt trocken“, meinte der Timekiller am Freitagnachmittag so ungefähr eine Stunde vor dem ersten Feierabendlauf der allseits bekannten Olympiabergziegenaltherrencombo in diesem… ja… äh… Sommer. Der war gut. Irgendwie. Es war schließlich Dauer- und/oder Starkregen angesagt und wohl niemand kam ernsthaft auf die Idee, zu dieser Zeit noch auf eine gemütliche Laufrunde aufzubrechen.

Henrik ohne D (von den runningtwins) und Ludwig (von hale and hearty) wurden vorab im Office von Unmengen an E-Mails und ähnlichem Büroblödsinn verschüttet, Steffen gab gar einen Termin beim Hairstylisten als Alternativprogramm an – und wieder andere ignorierten die Terminanfrage wahrscheinlich fröhlich lachend. Verständlicherweise.

Natürlich schüttete es um 17 Uhr wie aus Eimern. Und natürlich liessen wir uns nicht davon abhalten, doch mal wieder eine Runde durch den alltehrwürdigen Olympiapark zu drehen. Warum auch? Der Regen war zumindestens nicht eiskalt und für eine gute Stunde würden die Laufklamotten das schon aushalten. Fröhlich dauerquatschend und mit Rückenwind schlurften also die beiden Protagonisten durch den fast menschenleeren Park und wie immer auf dieser Runde wurde viel gelacht.

Irgendwann an solchen Tagen beginnen dann die Waschmittelreste in den Lauftextilien zu schäumen. Und bevor man sich dann gar die Frage gefallen lassen muss, ob man denn Tollwut an den Knien hätte wird es einfach Zeit für den Rückweg. Raus aus den nassen Klamotten, Heizung im Auto voll aufdrehen, Scheibenentfeuchtung ebenfalls *höhö* –  und ab nach Hause. Schöne Sache. To be continued.

Der erste Schauer lässt auch heute nicht lange auf sich warten. Buff über den alten Schädel gezogen und mit diesem Kopftuch sehe ich nun wahrscheinlich aus wie eine 93-jährige Hallertauer Bäuerin. Unter Umständen ist auch mein Laufstil dazu passend. Die leichte Restmüdigkeit harmoniert gar vorzüglich mit dem diesigen Regenwetter, aber die Luft ist einzigartig gut. Links runter auf dem Neukirchner Totenweg (der heißt echt so) in den nächsten Ort, dort bis zur Sulzschänke und dann wieder hoch in den Wald.

Sulzschänke? Der Name muss erklärt werden. Es handelt sich um eine altbayerische Sommergaststätte, die natürlich gar nicht so heißt. Unvergeßlich ist allerdings ein Trainingslauf der Hallertauer Lauffreunde bei dem wir just hier vorbeidackelten – und das hiesige Marketingkonzept namens Schiefertafel die tagesaktuelle Spezialität auswies: „Heute frische Bratensulz“. Wer mag, kann ja gerne mal googlen, was einen da so erwartet. Wir Zugereisten grübelten seinerzeit übrigens lange über den Interpretationsspielraum der expliziten  Zusatzformulierung „frisch“…

Keine 500 Meter weiter wartet dann Onkel Hans‘ Berghüttn. Das mag nun angesichts der soeben erklommenen 25 Höhenmeter auch a bissi übertrieben wirken – allerdings bietet der nachfolgende Anstieg zum Wasserwerk dann doch tatsächlich auch die Möglichkeit zur ordnungsgemäßen Erhöhung der Herzfrequenz. Und schon geht es wieder zurück durch den Wald, kein Tier, keine Menschenseele unterwegs, herrlich zu laufen und wie gesagt – die Luft ist sensationell.

Irgendwie gewöhnt man sich ja auch an dieses partiell suboptimale Regenwetter. Letzten Sonntag zum Beispiel war es ja auch schon so. 5 Grad (immerhin über Null) und Dauerregen. Also Mütze auf und raus in den Wald. Wembley verloren, aber Sonne im Herzen oder so.

Auch heute leuchtet das Gelb der Laufschuhe wieder fröhlich vor sich hin. Ist wahrscheinlich auch der letzte Kontrast zum wieder einsetzenden Regen – und auf den letzten Kilometern rund um Sankt Johann schüttet es dann so richtig los. Warum auch nicht? Es sind ja sowieso nur noch ein paar Meter zum Auto und dann sind für heute sämtliche Outdooraktivitäten abgeschlossen.

Ach ja: Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?

PS: 16 Kilometer zum Nachlaufen (ab 93358 Neukirchen):

http://connect.garmin.com/activity/321473038

Faszination Krautsalat

„Eine <Salatschale 1 Kg>?“

„Die haben wir doch auch nicht! Das stimmt doch auch nicht.“

Öha. Die Nerven liegen blank an diesem Mittwochabend hier im Münchner Norden. Und das nahezu verständlicherweise. Denn ein simpler Eingabefehler seitens des Azubis beim Lieblingsdiscounter unseres uneingeschänkten Misstrauens führte just vor ein paar Minuten dazu, dass unsere sechs Semmeln (für Carsten: Brötchen) (für Christian: Weck) (für Patrick: Schrippe) (und für alle hier mitlesenden Norweger: Rundstykke) mal locker so um 30 Euro kosten sollten.

Warum? Wir hatten stattdessen 36 Liter Tee-Getränk samt 9 Euro Pfand auf den Kassenzettel getackert bekommen. Die Szene schrie förmlich nach einem handelsüblichen Stornoschlüssel samt ein paar zusätzlichen Kassenvorgängen sowie einer Unterschrift meinerseits als Bestätigung des ordnungsgemäßen Empfanges der unordnungsgemäß zuviel berechneten Geldbeträge. Und kaum eine Viertelstunde später konnten wir doch tatsächlich krachscheppernd mit dem Einkaufswagen über das harmonisch verlegte Betonpflaster auf unser Kraftfahrzeug zusteuern.

Und jetzt das. Aber keine Sorge. Ich hatte ja eine belastbare Erklärung. In einem unbeobachteten Moment (Frauen, passt also auf Eure Männer am Kühlregal auf) hatte ich doch tatsächlich spontan eine quasi homöopathische (Gott, wie schreibt man das eigentlich?) Dosis Krautsalat in den Einkaufswagen verfrachtet. Und eben diesen Ein-Kilo-Eimer hob ich jetzt wieder raus. Tataaaa!

Leichtes (aber dennoch ansatzweise vernichtendes) Kopfschütteln ihrerseits. „Seit wann isst Du denn Krautsalat?“

Eigentlich schon immer. Als Kind des Ruhrgebiets ist man(n) schließlich mit Gyros Pita groß geworden und dementsprechend…

Alles Quatsch natürlich. Meine neu erwachte Begeisterung für diesen Weißkohlmatsch basiert auf einem Trainingslauf in dieser Woche. Das Mittagessen auf einem Meeting im Münchner Osten gestaltete sich ein wenig hektisch – und in Verbindung mit einer gewissen Orientierungslosigkeit meinerseits in einer fremden Cantina Curiosa reichte es nur für ein hastig zusammengestelltes Anfängermenü: Linseneintopf und Krautsalat.

Der Nachmittag verging wie im Flug und aufgrund des frühzeitigen Endes der Veranstaltung konnte ich noch ein paar Kilometer im Hellen laufen. Also raus aus den Businesskasperlklamotten und rein in die Laufsachen. Fröhlich pfeiffend zum Riemer Park gefahren, Karre abgestellt, Garmin angeworfen und los…

Riemer Park – das ist das ehemalige Bundesgartenschaugelände hier in München. Flach wie eine Flunder, kerzengerade Wege und nur selten mal ein Baum. Oder gar mehrere. Fast schon norddeutsche Verhältnisse, man erkennt bereits Stunden vorher, wer einem entgegen kommt.

Ungewohnt auch das Glucksen in meinem Bauch. Der grenzwertige Filterkaffee und das noch eingeworfene Mineralwasser „con gas“ bilden in Kombination mit dem halbverdauten Mittagsmenü eine durchaus erfrischende Wirkungskette – an deren Schluss ein schlichtweg von Minute zu Minute unrunderer Laufstil stehen wird.

Bevor jedoch das Drama seinen Lauf nimmt, gilt es vorab die landschaftliche Schönheit der Dämmerung in dieser Prärie zu geniessen – und alleine der Panoramatrail am See(!) ist schon ein Erlebnis der – ach ja – unbeschreiblichen Art.

Doch da – am östlichen Ende dieser Steppe thront gar mystisch – fast dem Fuji-san gleich: Der Berg!

Ich stürme ihn hinauf und blicke über die Landschaft – um dann nur minimal von minimalsten Bauchkrämpfen begleitet den Abstieg zu wagen. Hinab in das nun schon fast dunkle Tal.

By the way: Zerstört jetzt die Erläuterung, dass dieser Berg ja genauer gesagt ein Rodelhügel – und aus dem Abbruchmaterial des ehemaligen Flughafens entstanden ist, a bissi die pseudo-romantische Stimmung?

Egal. Es geht zurück in Richtung Messestadt. Das gute Gefühl, ein kompaktes Biomassekraftwerk zu sein, mit dem so manches Energieproblem der Zukunft gelöst werden könnte, will sich bei mir noch nicht so richtig einstellen. Und ehrlich gesagt muss ich mich auch in aller Höflichkeit sauber zusammenreissen. Um nicht die Laternen der vorbeikommenden Kinder des örtlichen Martinszuges durch eine exorbitante Druckwelle…

Nein nein, keine Sorge.

Es gibt keinerlei traumatisierte Kindergärtnerinnen in der Landeshauptstadt.

Ich bin einfach locker zu meinem Auto zurückgelaufen. Und jetzt bitte einmal Gyros mit Krautsalat. Ohne Gyros. Natürlich. Was dachtet Ihr denn? Ich ess doch nicht so schweres Zeug … muhaha…

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